Freitag, 18. Januar 2013

Sport ist Mord, so why don´t you kill me? [Bärbel]

Eines vorweg: Ich bewundere jede(n), die/der sich regelmäßig mit Joggen, Radeln oder Gewichte heben beschäftigen kann. Das ist klasse. Ich kann das nicht. Wie ich schon sagte mangelt es mir an Disziplin. Ich weiß garnicht, wie Disziplin geschrieben wird.

Mit 20irgendwas hatte ich mich im Fitness-Studio angemeldet. Das haben alle gemacht. Ich war schneller wieder weg, als die Tinte auf dem teuren Vertrag zum Trocknen brauchte. Mein Sport seitdem ist: 1 Mal im Jahr schwimmen (ich treibe ganz gut obenauf), alle 3 Jahre mal 2 km radfahren, und Wasserkisten-Stemmen. Dass man mit so wenig körperlicher Betätigung nicht nur fett, sondern auch krank wird liegt auf der Hand.

"Meine" Sportart kam zu mir über- wie sollte es auch anders sein- Umwege. Ich bin ja Rollenspieler, und ein Mädel meiner Gruppe hatte eine neue Idee für Larpkostüme. Sie sagte: "Wie wäre es mit Tribal Style?" Ich hatte keinen Schimmer von was sie redete. Ein kurzer Klick zu google brachte uns dorthin:



Das war exakt die Sekunde, in der ich meine Sportart fand! Ich habe quasi das Pferd von hinten aufgezäumt: Erst will ich die Klamotten, dann will ich sie benutzen. Das ist, als würde jemand sich ein Pferd kaufen, weil er so schick in Reithosen aussieht.

Wir haben uns nach Tribal-Klamotten erkundigt, und natürlich auch selbst angefertigt. Larper machen Vieles selbst, so auch die Kostüme. Oder für zartbesaitete Larper: Die Gewandung. Mein erstes Teil war dann ein Rock und ein gehäkelter Gürtel (ich häkle auch viel):


Der Sinn und Zweck von Rock und Gürtel sind, dass es schwingt. Wenn man beim Bauchtanz mit den Hüften wackelt, wird der Effekt verstärkt, wenn Stoff, Bommeln oder Münzen mitwackeln.

Was als "Verkleidung" begann, wurde rasch zu einem richtig sportlichen Hobby. Meine Mädels und ich fuhren zu Workshops und haben Kurse besucht. Längst ging es nicht mehr nur um die hübschen Kleider, sondern um den unglaublichen Spaß, den das Tribal Tanzen macht.

Für Außenstehende sieht es aus, als würde eine Gruppe von Frauen (sehr selten auch Männer) sich nach einer Choreografie bewegen. das ist nur zum Teil richtig. Das grundlegende Element des Tribal ist die Improvisation. Es gibt weltweit anerkannte BewegungsTEILE, die alle Tribaletten kennen. Was aktuell getanzt wird, gibt immer eine Frau der Gruppe vor, die meist vorne steht. Nach geheimen Kommandos teilt sie den anderen mit, was für die nächsten Takte gemeinsam getanzt wird. Das erfordert zwar Übung, aber wenn man es einmal drauf hat, will man nicht mehr aufhören.




Leider sind meine Ambitionen stecken geblieben. Es gibt nur wenige Tribal Gruppen, und die wenigen sind entweder zu weit weg, oder mit meinem Hausfrauen-Budget nicht bezahlbar. Da man für diese Sportart sehr viel Platz braucht, mieten viele Gruppen sich ganze Balettstudios, und das kostet.

Aber eines hat mir mein Einstieg ins Tribal gezeigt: Bauchtanz ist nicht diese kitschige, alberne Sportart für die ich sie immer gehalten habe! Im Orient wird der Bauchtanz für die Geburtsvorbereitung schon seit Menschengedenken ausgeübt (das kommt hier bei uns grade an).

Bauchtanz ist die BESTE ÜBUNG FÜR DEN BECKENBODEN die mir bekannt ist! Das kann man garnicht gross genug schreiben. Als ich vor fast 3 Jahren eine Unterleibs-OP hatte, und der Oberarzt mir riet einen Gymnastikkurs zu besuchen, belehrte ich ihn dass ich Bauchtanz mache. Er hat ziemlich dumm geschaut, und die Ärztin neben ihm gab mir recht:"Das ist wirklich ein gutes Training für den Beckenboden".

Soraya hatte ja kürzlich ebenfalls von der Wichtigkeit dieser Muskelgruppen erzählt. Klar kann man dafür gezielte Übungen machen, oder bestimmte Geräte benutzen. Ich habe dafür keine Disziplin. Sagte ich das bereits? (Sorayas Übungen allerdings kannte ich und mache sie ab und an! Sehr zu empfehlen!!!)

Im Bauchtanz lernt man, Muskelgruppen des ganzen Körpers gezielt zu benutzen. Der Oberkörper wird vom Unterleid getrennt bewegt, und man wackelt nicht nur wild herum, jede Bewegung des Körpers ist gezielt und entweder fliessend oder abrupt. Und IMMER soll man dabei den Beckenboden anspannen, aus einer ganzen Reihe von Gründen, auf die ich ein andermal eingehen möchte.

Für mich ist Bauchtanz "meine" Sportart aus zwei Gründen: Ich hasse es, etwas zu tun nur um es zu tun. Im Kreis rumlaufen (joggen) finde ich extreme Zeitverschwendung. Warum irgendwo hinlaufen, wo ich doch schon bin? Tribal ist Spaß, Musik, Gemeinschaft.... nicht nur Selbstzweck. Zweitens kommt jetzt mein schwerwiegendes Argument:

Hand auf´s Herz: Wie lange hat JEDE von uns eine bestimmte, sportliche Tätigkeit durchgehalten? Na? Wochen, Monate, Jahre? Schon wenn man "Jahre" liest, dann denkt man ich sei irre sowas überhaupt zu fragen. Jahrelang ins Studio gehen? Jahrelang joggen? Nun, Mädels, ich sag euch was: Für eine dauerhafte Fitness, Figur und das Wohlbefinden reicht es nicht, ein paar Wochen zu trainieren. Ist der Sport weg, ist auch die Fitness wieder futsch.

Man braucht einen Sport, den man den Rest seines Lebens machen möchte. Mit Tribal kann ich mir das vorstellen. In Ermangelung einer eigenen Gruppe haben ich mir wenigstens ein paar Videos bestellt. Das ist lahm, ich weiß. Bisher ist es beim Bestellen geblieben. Vielleicht bringt mich der Gruppendruck hier im Blog dazu, es wieder anzugehen. Sonst würde ich mich ja selber Lügen strafen, wenn ich euch hier groß und breit erzähle, dass man nicht nur einen Sport, sondern einen Sport für´s Leben braucht. Und Lügen, das will ich ganz gewiss nicht!

Zu guter Letzt noch ein Fun-Video für euch. Wenn ich eine Portion gute Laune durch Womenpower brauche, dann schaue ich mir das an. Bellydance vom Feinsten. Die Weinflasche stellen Dukaner sich bitte gefüllt mit Eistee (ohne Frucht und Zucker) vor. Danke


Kommentare:

  1. Eine Rollenspielerin! Hach wie schön! *freu* Ich habe nur wenige Larps erlebt - mich hat es immer eher am Tisch gehalten - ich liebe Storytelling einfach - aber ich kann mit dem, was Du schreibst viel anfangen und viele Frauen werden zwar gleichzeitig im Boden versinken, wenn sie das zugeben - aber zugeben müssen sie es... ich glaube jede von uns kennt Momente, in denen sie "das Pferd kauft, weil die Reiterhosen so toll aussehen" :-)

    Schade, dass der Tribal Tanz sich noch nicht mehr durchgesetzt hat... allein verliert so etwas immer etwas, weil es bei der theoretischen Idee bleibt. Trotzdem ist es toll, sich in so eine Beschäftigung zu verrennen, die einem einfach attraktiv vorkommt!

    Ich habe vor 5 Jahren mit Tango angefangen und liebe es sehr - ist zwar nicht das gleiche -aber auf einen Tanzpartner bin leider auch ich angewiesen.

    Danke Dir für's Vorstellen und dafür, hier eine Larperin zu sehen! Alles Liebe

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  2. Hast du es schonmal mit Zumba probiert? Für mich war es der ideale Einstieg in den Sport (erst dadurch habe ich den Spaß an Sport entdeckt) und kann es quasi jedem Sportmuffel nur empfehlen. Ich würde es aus einer Mischung aus Lateinamerikanischen Tanzelementen und etwas Aerobic beschreiben und auf Grund der hohen Beliebtheit wird es inzwischen in vielen Studios und Sportvereinen angeboten.
    Liebe Grüße :-)

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  3. @ She-Lynx: Ich habe auch einen doofen Hut ;-) Ich larpe bei Köln, vielleicht sieht man sich da mal, das wär klasse! Und Tango kenne ich nur passiv, Freunde von uns betreiben das schon semiprofessionell, aber die sind auch geboren dafür.

    @ Sumi: Ja, ich habe viel über Zumba gehört, da viele in meinem Bekanntenkreis das total gerne machen. Nur ebenso wie Tango sind es halt lateinamerikanische Rhytmen, und aus einem Grund den ich nicht erklären kann mag ich die nicht. Ich finde das selber schade, denn wenn ich die Begeisterung bei Freunden sehe, dann werde ich fast schon neidisch. Warum Menschen manche Musik mögen und andere nicht ist mir schleierhaft. Es ist einfach so.

    Üüübrigens ist Musik in meinen Augen der BESTE Anreiz sich zu bewegen. Die Aerobic-Bewegung der 80er hat auch nur mit Musik funktioniert. Vielleicht erfinden wir hier im Blog unsere eigenen Workouts zu Musik!

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  4. Also in meiner Zumbastunde sind z. B. 80 % der Lieder aus den aktuellen Musikcharts, so richtige typische Lateinamerikanische Lieder sind fast gar nicht dabei.
    Und mit Musik kann ich dir nur Recht geben! Ich jogge z. B. nicht wirklich gern, habe aber letzten Sommer wieder angefangen, um meine Ausdauer zu verbessern. Und siehe da, mit der richtigen Musik habe ich es zumindest geschafft, die Schnecken am Wegesrand zu überholen :D.

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